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Die Renaissance der physischen Tasten Matt Campbell

(Quelle: New Africa/stock.adobe.com)

 

Mein Wasserkocher hat kapazitive Tasten zum Ein- und Ausschalten und zur Temperatureinstellung. Er ist simpel und erfüllt seinen Zweck. Aber jedes Mal, wenn ich in einem Haushaltsgerätegeschäft bin, kann ich die Finger nicht von den Wasserkochern mit Drehregler lassen. Genau der richtige Widerstand, dieses sanfte Einrasten beim Drehen – einfach befriedigend. Ein Wasserkocher mit Drehregler kostet viel mehr als mein Wasserkocher mit Touch-Tasten und erhitzt das Wasser exakt gleich. Trotzdem ist vielen Tee- und Kaffeetrinkern dieses hochwertige Nutzungserlebnis den Aufpreis wert. Unsere Begeisterung für gute physische Bedienelemente ist derselbe Grund, warum mechanische Tastaturen so beliebt sind – und warum mich Kaufhausmitarbeiter regelmäßig schief anschauen, wenn ich die Knöpfe an jeder ausgestellten Kaffeemaschine teste.

Es lässt sich nicht leugnen, wie praktisch Touch-Bedienelemente sind. Doch aktuelle Entwicklungen zeigen: Die elegante, rein touchbasierte Welt, in der wir leben, steht kurz vor einer Renaissance der Tasten. Was vor nicht allzu langer Zeit noch als Innovation galt, ist inzwischen allgegenwärtig geworden – so sehr, dass physische Knöpfe heute fast schon als Luxus gelten, ähnlich wie der Wasserkocher mit Drehregler.[1] Im Wettlauf um Kostenoptimierung und einfachere Fertigung haben einige Designer den „menschlichen“ Aspekt von Mensch-Maschine-Schnittstellen (HMIs) aus den Augen verloren. Jetzt reagieren Hersteller auf die Wünsche von Verbrauchern und bringen die Tasten zurück.

Wo sind all die Knöpfe geblieben?

Die Vorteile von touchbasierten Benutzeroberflächen für kleine Multifunktionsgeräte wie Handys sind unbestreitbar. Als jemand, der ursprünglich ein Fan physischer Tasten war und Mobiltelefone mit QWERTZ-Tastatur für den Höhepunkt des Handy-Designs hielt, habe selbst ich gelernt, den zusätzlichen Bildschirmplatz gegenüber einer physischen Tastatur zu schätzen. Außerdem hatte ich keine große Wahl. Abgesehen von den mittlerweile eingestellten BlackBerry-Handys verfolgten die meisten Smartphone-Hersteller ein schlankes, tastaturfreies Design.

Smartphones gehören zu den spannendsten Touch-Technologien, und waren vermutlich der Auslöser dafür, dass Tasten nach und nach still und leise von immer mehr Geräten verschwanden. In vielen Fällen machte das auch Sinn. Mit zunehmender Funktionsvielfalt wurden Geräte übersichtlicher, wenn Funktionen in Touch-Menüs verlagert wurden. Drucker im Büro hätten sonst schnell wie Flugzeugcockpits ausgesehen, wenn jede Einstellung einen eigenen Knopf bekommen hätte (Abbildung 1). Auch Hersteller von Haushaltsgeräten erkannten die Vorteile kapazitiver Touch-Elemente gegenüber mechanischen Tasten: geringere Kosten, weniger Eintrittspunkte für Schmutz und Feuchtigkeit sowie eine einfachere Fertigung. 

Abbildung 1:Touchscreens sind zwar einfacher zu bedienen, machen aber deutlich weniger Spaß, als wütend auf einen Knopf zu drücken. (Quelle: jummie/stock.adobe.com)

 

Touchscreens stoßen bei Verbrauchern auf Kritik

Das Verschwinden von Tasten schien unaufhaltsam – bis Verbraucher Touchscreens in Autos zunehmend kritisch sahen. Intuitiv macht es Sinn: Wenn Smartphones während der Fahrt schon zu sehr ablenken, dann dürfte ein im Armaturenbrett verbautes Tablet ebenfalls schnell vom Straßenverkehr ablenken. Eine wachsende Zahl an Studien stützt diese Annahme.

Eine Studie des Virginia Tech Transportation Institute zeigt einen deutlichen Unterschied in der Häufigkeit, mit der Fahrer länger als zwei Sekunden auf die Mittelkonsole blicken – im Vergleich zwischen Fahrzeugen mit klassischen physischen Bedienelementen und solchen mit Touchscreen.[2] In Autos mit herkömmlichen Bedienelementen dauerten nur etwa 3 % der visuellen und manuellen Interaktionen länger als zwei Sekunden. Eine solche Interaktion bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Fahrer auf die Mittelkonsole schaut und gleichzeitig eine Aktion ausführt, z. B. die Klimaanlage einstellt. Bei Systemen mit Touchscreen stieg dieser Anteil hingegen auf 34 %. Das bedeutet: Bei rund einem Drittel aller Interaktionen mit der Fahrzeugbedienung blicken Fahrer mindestens zwei Sekunden lang nicht auf die Straße. Ein Auto, das mit 100 km/h fährt, legt in diesen zwei Sekunden etwa 55 Meter zurück. Beim American Football entspricht das der Entfernung von der 50-Yard-Linie bis in die Endzone. Stellen Sie sich vor, Sie müssten diesen Weg mit verbundenen Augen auf einem Footballfeld zurücklegen. Denken Sie, das ist machbar?

Als Reaktion darauf, dass Verbraucher ihre Sicherheit nicht aufs Spiel setzen wollen, um während der Fahrt die Musik zu ändern oder die Klimaanlage einzustellen, haben Autohersteller weltweit ihre Touchscreen-basierten Bedienelemente neu bewertet.[3] Hyundai verweist auf negatives Feedback seiner Fokusgruppen zu Touch-Bedienelementen, während Volkswagen sich mit einer Sammelklage gegen seine Touch-Steuerung am Lenkrad konfrontiert sieht.[4]

Auch über den Automobilbereich hinaus kehren Tasten zunehmend wieder in Verbrauchergeräte zurück. Apple, einst Vorreiter beim Entfernen physischer Tasten, ersetzte den Stummschalter beim iPhone 15 durch einen Aktionsknopf und führte dann mit dem iPhone 16 zusätzlich eine Kamerasteuerungstaste ein. Auch Haushaltsgeräte setzen wieder vermehrt auf Tasten und Drehregler - gut für alle, denen schon einmal etwas am Herd übergekocht ist und sie dann das Touch-Kochfeld nicht mehr ausschalten konnten.[5]

Design, das die richtigen Knöpfe drückt

Tasten, Knöpfe und Drehregler sind mehr als nur eine technische Entscheidung, um den Preis und die Leistung zu optimieren. Als Schnittstelle zwischen der physischen und der digitalen Welt sind sie die gemeinsame Sprache zwischen Mensch und Maschine. Eine Taste mit zufriedenstellendem haptischem Feedback ist wie ein aufmerksamer Gesprächspartner und gibt uns das Gefühl, dass unsere Eingaben willkommen sind und wahrgenommen werden. Tasten zu vermenschlichen mag übertrieben klingen, doch Mensch-Maschine-Schnittstellen sollten sich für den Menschen intuitiv und einladend anfühlen. Nutzer wollen Geräte, die klar auf menschliche Interaktion ausgelegt sind.

 

[1]https://www.theatlantic.com/technology/archive/2023/02/buttons-on-gadgets-resurgence-nostalgia/673102/
[2]https://vtechworks.lib.vt.edu/items/d82eb376-1256-41f3-98c5-11ea9c19ef0e
[3]https://www.jalopnik.com/1995818/car-brands-bringing-back-physical-buttons/
[4]https://www.jalopnik.com/1944408/vw-owners-suing-capacitive-touch-buttons/
[5]https://www.wired.com/story/touch-controls-on-stoves-suck-knobs-are-way-better/

 

 

 



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